Proktologie: Analthrombose

Diagnostik und Therapie von Analerkrankungen

analthrombose

Analthrombose

Definition

Als Analthrombose bezeichnen wir eine sehr schmerzhafte Schwellung und Verhärtung am After. Es handelt sich dabei um eine plötzlich auftretende Gerinnsel -also eine intravasale Blutgerinnung – in den Hämorrhoidalrandvenen, die außerhalb des Afters als perianale und innerhalb als anale Thrombosen bezeichnet werden. Die Knoten können Linsen- bis Taubeneigröße erreichen. Oft tritt eine ausgeprägte Schwellung (Ödem) hinzu. Manchmal finden sich mehrere Thromben in einem Knoten (gekammerte Thrombose).  Wenn sie sehr groß sind neigen zur Rupturblutung

Synonyma sind Perianalthrombose, perianale Thrombose und Analvenenthrombose. Fälschlicherweise, aber im gleichen Sinne gebraucht werden die Bezeichnungen perianales oder perivenöses Hämatom, äußere Hämorrhoide, Thrombose der „äußeren Hämorrhoiden“, Pseudothrombose, Thrombophlebitis circumanalis acuta, akute Hämorrhoidalthrombose und Hämorrhoidalanfall . Diese Begriffe sind deshalb falsch, weil es sich zum einen nicht um ein extravasales Hämatom handelt, sondern eindeutig um ein Gerinnsel in einer Vene, und zum andern die Bezeichnung „äußere Hämorrhoiden“ anatomisch nicht korrekt ist.

Im angloamerikanischen Sprachraum wird sie – entgegen den anatomischen Erkenntnissen – als „anal haematoma“ oder „external haemorrhoids“ bezeichnet.

Häufigkeit

Exakte Zahlen liegen nicht vor. Die Analthrombose ist jedoch vor allem im mittleren Erwachsenenalter mit ca. 5% der proktologischen Patienten relativ häufig. Es werden hierorts durchschnittlich ca 5-6 Patienten täglich damit behandelt

Ätiopathogenese

Analthrombosen bilden sich innerhalb von 2-3 Stunden nicht selten nach Genuss von scharf gewürzten Speisen, konzentrierten Alkoholika, beim Husten, Heben, Pressen, bei Frauen kurz vor der Menstruation, in der Endphase der Schwangerschaft und beim Geburtsvorgang. Weitere auslösende Faktoren können Kälte (z.B. Sitzen auf kalten Flächen) und schwülwarmes Wetter (Föhn) , (ungewohnte) körperliche Anstrengung, wie Joggen, Radfahren o.ä., gesteigerter intraabdomineller Druck (Durchfall) können ebenso Auslöser einer Thrombose sein wie mechanische Faktoren (proktologische Eingriffe, Analmanipulation und -verkehr).

Symptome

In der Regel klagen die Patienten über eine akut – innerhalb von Minuten bis Stunden – aufgetretene schmerzhafte Schwellung am Analrand oder im After, die mit Juckreiz, Stechen, Brennen oder einem starken Spannungsgefühl bzw. Druckschmerz einhergegangen ist.
Bei der Inspektion und der digitalen Untersuchung finden sich am Analrand oder im Analkanal prallelastische bis derbe, bläulich-rote Knoten von Buntstecknadelkopf- bis Pflaumengröße; gelegentlich sind multiple kleine Thrombosen perlschnurartig neben, hinter- oder untereinander angeordnet. Die Diagnose kann häufig nur palpatorisch gestellt werden, da ein Begleitödem unterschiedlicher Stärke den eigentlichen Befund kaschiert. Die frische Thrombose blutet nicht.

Diagnostik

Die Diagnostik erfolgt mittels Inspektion und Palpation. Nur bei tiefer im Analkanal lokalisierten Thromben ist die Benutzung eines Spekulums oder eines vorne offenen Proktoskops erforderlich.
Differentialdiagnostik.
Differentialdiagnostisch müssen sonstige Tumoren wie z.B. Marisken, Abszesse, thrombosierte Hämorrhoiden, Analfibrome, das Melanom und das Analkarzinom ausgeschlossen werden.

Verlauf

Unbehandelt bildet sich die Analthrombose meist im Verlauf von Wochen manchmal Monaten spontan zurück, und zwar ohne Mariskenbildung. Unter Umständen kommt es in Folge eines Druckgeschwürs mit offenen Wunde zur Blutung und eventuell spontanem Abgang des Gerinnsels; dies kann zu schlagartiger Beschwerdefreiheit führen. Die Dauer der Erkrankung beträgt in der Regel ca. ein bis zwei Wochen. Selten vergehen auch Monate bis zur vollständigen Rückbildung.

Therapie

Die Therapie ist abhängig vom und vom Zeitpunkt des Auftretens und Leidensdruck des Patienten: Bei nur geringen oder bereits abklingenden Beschwerden ist entweder keine oder nur eine konservative Behandlung notwendig, wie z.B. Sitzbad mit Kamillosan, Mesazalin-Zäpfchen (z.B. Claversal, Colofac), die systemische Gabe eines Flavonoide (z.B. Daflon, Antistax), eines nichtsteroidalen Antirheumatikums (z.B. Ibuprofen) oder die lokale Applikation einer Heparincreme, (zB Hirudoid, Vetren), eventuell eines Kortikosteroids (z.B. Scheriproct) oder einer oberflächlich Wirksame Lidocain (z.B. Xylocain-Gel) lassen die Schmerzen nach 2 bis 3 Tagen abklingen.

Repositionsversuche sind, da es sich nicht um prolabierte Hämorrhoidalknoten handelt, sinnlos und deshalb nicht indiziert. Selten kommt es durch die Thrombose zum Auftreten von Marisken.

Bei stark schmerzhaften Thrombosen ist ein operatives Vorgehen gerechtfertigt. Es bieten sich zwei Vorgehensweisen an: Erstens die Inzision und Exprimierung des Thrombus ggf. mit Anlage eines Drainagebereichs, zweitens die Exzision des gesamten Thrombusareals unter Mitnahme des betroffenen Gefäßsegmentes. Die Exzision minimiert die Gefahr der postoperativen Rethrombosierung. Beide Verfahren sind in Lokalanästhesie in der Ambulanz möglich. Der Wundschmerz ist in der Regel geringer als der durch die Thrombose verursachte Dehnungs- bzw. Druckschmerz. Je später der Patient vorstellig wird, desto seltener stellt sich die Indikation zur Operation. Die Wunden werden nicht zugenäht und bleiben der Sekundärheilung überlassen.

Komplikationen

Komplikationen sind äußerst selten werden in der Literatur Blutung, Entzündungen und Analfissur, Analstenose und Kontinenzprobleme mit unter 1% angegeben. Lediglich eine Harnverhaltung, besonders bei älteren Patienten, kann in 10% auftreten, wobei eine signifikante Reduzierung dieser postoperativen Komplikation durch eine restriktive perioperative Flüssigkeitszufuhr erreicht werden kann.
Entscheidend für Behandlungsergebnisse sind eine sorgfältige Patientenselektion sowie eine adäquat durchgeführte chirurgische Technik unter maximaler Schonung des Analsphinkters und Anoderms und damit der Kontinenzleistung.

Rezidivprophylaxe

Postoperativ nach Abheilung sollte eine Sigmoidoskopie und evetuelle Barronligatur der Resthämorrhoiden durchgeführt werden
Komplikationen
Als Komplikationen werden in der Literatur Blutung, Entzündungen und Analfissur, Analstenose und Kontinenzprobleme mit unter 3% angegeben. Lediglich eine Harnverhaltung, besonders bei älteren Patienten, kann in 10% auftreten, wobei eine signifikante Reduzierung dieser postoperativen Komplikation durch eine restriktive perioperative Flüssigkeitszufuhr erreicht werden kann.
Entscheidend für Behandlungsergebnisse sind eine sorgfältige Patientenselektion sowie eine adäquat durchgeführte chirurgische Technik unter maximaler Schonung des Analsphinkters und Anoderms und damit der Kontinenzleistung.

| 25.10.2017 | Mehr lesen | Druck |

24 Kommentare

  1. Hallo,
    ich habe seit nunmehr 6 Monaten starke Schmerzen wegen einer anhaltenden Analthrombose. Trotz mehreren Gummibandligaturen hört es einfach nicht auf. was soll ich tun? warum nimmst das kein Ende?

    • Eine Gummibandligatur ist für Blutung und Prolaps der Hämorrhoiden sehr gut geignet jedoch nicht für eine Analthrombose. Wenn diese sich nich spontan resorbiert gehört sie entfernt. Die Abtragung erfolgt in Lokalanästhesie.

  2. Habe jetzt ca seit 1 Woche eine anal Venen Thrombose außen links . War auch schon beim Arzt der sie mir aufstechen wollte. Als ich das Messer sah bekam ich die Panik . Jetzt versuche ich es konservativ mit Salben. Ist aber noch immer da und hart. Was soll ich tun ?

    • Bildet sich mit der Zeit langsam zurück, falls keine Besserung oder immer wieder auftretend sollte der Noduli entfernt werden. Dieses erfolgt ohne Messer sondern mit einer Elektroschlinge oder-schere.

  3. Hallo,
    ich hatte vor 4 Wochen eine Entfernung mehrerer Marisken, welche durch Analvenenthrombosen entstanden sind. Am Anfang kam direkt ein Ödem auf der einen Seite. Dies ist inzwischen weg. Nun habe ich eins auf der anderen Seite und immer noch stechende Schmerzen beim Stuhlgang. Die Schwellung kommt beim Stuhlgang nach außen, lässt sich aber wieder reindrücken bzw. zieht sich selbst wieder rein (schmerzhaft). Gibt es eine Möglichkeit der Behandlung um das Ödem schneller zum Verschwinden zu bewegen?

    • Prinzipiell empfehle ich nicht mehrere Marisken auf einmal zu entfernen, sondern eine Hemihämorrhoidektomie durchzuführen. Der Grund ist, dass die Ursache der Mariske; der gestaute Hämorrhoidalplexus bleibt und beim Pressen heraus kommt. Dieses verursacht eine verzögerte Heilung. Um den Vorfall zu behandeln wäre eine Gummibandligatur zu überlegen.

  4. Hallo,
    Ich befinde mich momentan im Wochenbett und habe gestern von jetzt auf gleich mit höllischen Schmerzen eine Kidneybohnen große Wölbung außerhalb der Afters bekommen. Ich gehe von einer Analthrombose aus und habe diese bereits sofort mit Lidocain (Posterisan Akut) eingecremt, was mir auch komplett den Schmerz genommen hat. Vorhin musste ich leider auf Toilette und hatte wohl etwas härteren Stuhl. Kann es sein das sich der Zustand dadurch verschlimmert? Habe nur noch ein Drückgefühl und ein unangenehmes Gefühl. Geht diese von alleine wieder zurück oder sollte man lieber zu einen Protokologen aufsuchen?
    Wie lange kann ich mit der Heilung rechnen bei der Größe?
    Danke für ihr Antwort!

  5. Ich habe einen Blutungen knubbel am After, ca erbsengröße. Vor ca einer Woche ging es los mit leichten Schmerzen beim Stuhlgang, aber ohne dass etwas sichtbar war. Nun sieht und spürt man den Knubbel und er blutet eigentlich die ganze Zeit ein bisschen. Was könnte das sein? Und was soll ich tun?

  6. Hallo, ich habe seit ca. 10 Tagen einen Erbsen großen Knubbel am After. In den ersten Tagen war dieser sehr schmerzhaft. Jetzt sind dir Schmerzen weg, der Knubbel aber noch da. Um was kann es sich handeln?

  7. Guten Tag!
    Sobald ich auf der Toilette sitze, Stuhlgang oder verdächtige Blähungen ablasse, treten bei mir grosse Venen am Po hervor, die ich mit Krampfadern vergleichen würde. Schmerzen machen sie nicht, aber sie behindern sehr die Säuberung.
    Der Proktologe sagt, Veröden würde starke Schmerzen bringen.
    Meine auffallend dicken Beinveenen wurden gestrippt.
    Was raten Sie mir?
    Mit freundlichen Grüßen !

    • Guten Tag,
      ich habe eine vor einigen Monaten ruptierte Analvenentrombose, die noch immer hin und wieder etwas blutet. Besteht dann Bedarf für eine Verödung beim Proktologen oder versucht man am Besten weiter natürlich heilen zu lassen, solange keine Beschwerden auftreten?
      Mit freundlichen Grüßen

      • Die meisten thrombosierten Hämorrhoiden heilen selbst. Es kann zwei bis drei Wochen dauern, bis sie vollständig verschwinden. Es gibt mehrere Möglichkeiten zur Selbstbehandlung. In manchen Fällen jedoch ist eine chirurgische Behandlung notwendig. Wenn die konservativen Behandlungen nicht helfen, wenn die Thrombose droht zu platzen bzw bereit geplatzt ist chirurgische die beste Option auch für die Langzeit Ergebnissen Dies ist auch eine gute Option, bei starken Schmerzen. Eine Operation einer thrombosierten Hämorrhoide kann normalerweise ambulant Tageschirurgisch in der Praxis durchgeführt werden. Es gilt als sicher und führt in der Regel nicht zu Komplikationen oder neuen Problemen, die durch die Operation verursacht werden. Eine Operation verhindert auch, dass die thrombosierte Hämorrhoide erneut auftritt. Die Patienten sind in der Regel mit den Ergebnissen zufrieden.

  8. Habe 2 Venen schmerzfrei Haselnussgrösse, normal innen, bei Stuhlgang kommen sie raus. Hygiene nur mit Wasser möglich ( Analekzem? )
    Proktologe hat einen inneren Hämo abgebunden, will aber Venen nicht veröden, Schmerzen!
    Was tun?

      • Ich leide auch unter dieser Krankheit beimir wurde es aufgeschnitten danach hatte ich große Schmerzen jetz hab ich es wieder bekommen protologie ist die nächste Station bringt das was können sie mir eine Info geben

        • Hallo, ich habe seit 4 Tagen eine Anal Thrombose in der Größe einer Pflaume. Mein Arzt möchte dies in ein paar Tagen entfernen.
          Ich habe gelesen, dass diese möglichst in den ersten Tagen chirurgisch entfernt werden sollten.
          Ist es problematisch dies erst nach einer Woche vorzunehmen?

          • Entweder man belässt es oder gleich entfernen. Die chirurgische Exzision ist die einzige Methode, die ein signifikant rezidivfreies Ergebnis ermöglicht und sollte als Behandlung der Wahl verwendet werden.

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