Einleitung

Unter anorektaler Manometrie
versteht man die Messung der Drücke im Analkanal und
im Rektum. Anders gesagt wird dabei der Widerstand, den der Schließmuskelapparat
gegenüber der normalen Defäkation bietet, gemessen.
Es gibt unzählige Methoden, die sich, wenn auch nur in kleinen
Varianten, unterscheiden.
Das heißt andererseits, daß man kein System eines Hauses
mit einem anderen System
eines Hauses vergleichen kann. Um so mehr ist es wichtig, daß
Kontrolluntersuchungen
immer am gleichen Ort durchgeführt werden. Prinzipiell ist der
Untersuchungsgang der,
daß ein spezieller Katheter in den Analkanal und ins distale Rektum
eingebracht wird,
der Katheter mit einem Druckabnehmer verbunden wird und dieser mit einem
Aufzeichnungsapparat verbunden ist.
Indikationen
1. Stuhlinkontinenz

2. Obstipation

3. Vor Operationen am Schließmuskelapparat
4. Bei tiefen Rektumresektionen vor und nach der OP
5. Bei speziellen Krankheiten, wie z.B. MS, Sklerodermie, aber auch
Analfissur
und postpartal
6. Aus forensischen Gründen
Katheter- Mikrotransducer, Ballons
Der Druck kann gemessen
werden, indem man kleine Ballons verwendet, die entweder
luft - oder flüssigkeitsgefüllt sind; Katheter, die mit Wasser
perfundiert werden oder mit
sogenannten Mikrotransducer.
Luft- und wassergefüllte Ballone sind mit dem Druckabnehmer verbunden
und geben
einen Wert wieder, welcher insgesamt auf den Ballon wirkt. Man kann
daher nicht
unterscheiden, ob z.B. links ein Defekt im Analkanal ist und auf der
rechten Seite alles
in Ordnung ist, da nur ein Mitteldruck, der auf den Ballon wirkt, aufgezeichnet
wird.
Am häufigsten werden wasserperfundierte Katheter, wie auch wir
sie benützen,
verwendet. Das Material ist meist aus Plastik. Es gibt verschiedene
Anordnungen der
Katheteröffnungen, aus denen Wasser entweicht. Am günstigsten
und gebräuchlichsten
ist eine radiäre Anordnung von Kanälen. Eine andere Möglichkeit
wäre eine stufenmäßige
Anordnung. Die Anzahl der Kanäle reicht von 2 - 8 bis Kanäle.
Wir verwenden einen
Katheter mit 4 Kanälen, welche radiär angeordnet sind. Bei
einem wasserperfundierten
System, wird der Druck aufgezeichnet, welcher dem ständig austretenden
Wasser aus
den Katheteröffnungen entgegen wirkt. Die gemessenen Drücke
sind somit abhängig von
der Compliance und der Perfusionsrate des Systems Um Druckunterschiede
messen zu
können, muß auch die Perfusionsrate genügend hoch sein.
Nachteile sind folgende
1. Man braucht eine Wasserpumpe,
die kontinuierlich die Flüssigkeit austreibt
2. Der Katheter kann partiell verdreht werden durch die Anhäufung
von Flüssigkeit
im Rektum (am Ende der Untersuchung)
Definitionen
1. Stationäre Technik
, d.h. der Katheter bleibt zur Messung an einer definierten Stelle
liegen
2. Kontinuierliche Durchzugstechnik. Der Katheter wird kontinuierlich
aus dem Analkanal
gezogen
3. Manuelle Durchzugsmethode: händisches Zurückziehen (meist
in 1 cm Abständen)
und Messen in stationärer Technik
4. Automatische Durchzugstechnik: Mit einer Zugvorrichtung wird der
Katheter nach
Voreinstellung am Computer mit einer definierten
Geschwindigkeit herausgezogen.
Sämtliche Techniken haben Vor-und Nachteile. Wir verwenden eine
wasserperfundierte
stationäre Durchzugstechnik und eine wasserperfundierte, automatische,
kontinuierliche
Durchzugstechnik.
Untersuchungsgang
Die Patienten dürfen
vor der Untersuchung nicht rektal untersucht werden. Sie brauchen
kein Klysma und dürfen mindestens eine Stunde vor der Untersuchung
keine Defäkation
gehabt haben, da sonst die Druckwerte falsch sind. Die Patienten liegen
in
Linksseitenlage. Nach Aufbringen von Gleitmittel wird der Katheter auf
eine Länge von
ca. 8- 10 cm eingeführt Dann wird die Untersuchung durchgeführt.
Messungen werden in
Ruhe, beim Kneiten und beim Pressen durchgeführt. Zusätzlich
kann man den Patienten
husten lassen,um die Spontanreflextätigkeit des Schließmuskelapparates
zu bestimmen.
Es sei darauf hingewiesen, daß natürlich der hydrostatische
Druck eine Rolle spielt und
man die Patienten immer in der selben Lage untersuchen muß. Normalerweise
kommt
es je mehr man nach distal kommt zu einem Anstieg des Druckes , der
am höchsten
1 - 2 cm von der Anocutanlinie ist.
Der Rektoanale-Hemmungsreflex wird durch 5 - 20 ml getriggert Man führt
dazu einen
zusätzlichen Ballon in das Rektum ein oder man verwendet von Beginn
an einen Katheter
mit einem Ballon an der Spitze. Der Ballon wird mit Luft schnell gefüllt
, um diesen Reflex
zu sehen. Bevor dieser Reflex untersucht wird, wird der Katheter in
der Hochdruckzone
positioniert , üblicherweise 2-3 cm im Analkanal. Falsch negative
Werte können
besonders bei ektatischem Rektum vorkommen, weil eine ausreichende Distension
des Rektums durch den Ballons dann nicht gegeben ist.
Um Sensibilität und Kapazität zu bestimmen, wird der Ballon
mit Wasser gefüllt.
Die Patienten bekommen dann einen Stuhldrang, der , abgesehen von der
Pathologie,
natürlich auch subjektiv beinflußbar ist.
Untersuchungsparameter
1. Mittlerer Ruhedruck
(ist der Druck des inneren Schließmuskels)
2. Maximaler Ruhedruck (Maximaldruck an einer Stelle)
3. Mittlerer Kneifdruck (Druck des äußeren Schließmuskels)
4. Maximaler Kneifdruck (Maximaldruck an gegebener Stelle
)
5. Hochdruckzone (Länge des funktionell wirksamen Verschlusses
~ kürzer als
die anatomische Länge!)
6. Rektoanaler-Hemmungsreflex (Reflexbogen Zwischen Rektum
und Anus ~ fehlt
nach OP oder bei Mb Hirschsprung)
7. Rektale Sensibilität (erstes Spüren von Flüssigkeit)
8. Rektalkapazität (Volumen im Ballon bei gleichzeitigem
Stuhldrang)
9. Compliance des Rektum (Rechenmethode)
10. Sphinkterermüdungsrate (Rechenmethode)
Auswertungshinweise
Frauen haben niedere
Werte als Männer, was anatomisch bedingt ist Außerdem zeigte
sich, daß bei Männern der Druck im Analkanal bis zum 60.Lj.
ziemlich konstant bleibt,
um dann rasch abzufallen. Bei Frauen kommt es beginnend vom 2. Lebensjahrzehnt
kontinuierlich zu einer lebenslangen Verminderung der Drücke. Beachten
Sie, daß
Maßeinheit meist cm Wassersäule ist.Selten wird mm Hg oder
die Kilopascal verwendet. |