Krampfadern: Therapie mit Radiofrequenz

Radiowellentherapie

Wie bei jeder endovenöser Behandlung der Varikosis ist das Ziel des Verfahrens, die behandelte Vene dauerhaft zu verschließen und den venösen Reflux zu unterbrechen. Das Prinzip basiert auf einer starken Wärmeanwendung, die durch einen Katheter endovaskulär (innerhalb der Vene) verursacht wird und durch eine Schrumpfung bzw Zusammenziehen der Vene zum Verschluss dieser führt. Es handelt  sich somit um eine Alternative zur chirurgischen Entfernung der Bogenvene (Venenstripping). Die endovenöse Radiofrequenzablation  ist ein modernes seit 1998 in Europa zugelassenes Verfahren zur Behandlung der Stammvarikose und größerer gerade verlaufender Seitenastvarizen. Ein Generator erzeugt Energie (460 Hz) ), diese wird an den in der Vene liegenden Katheter abgegeben. Bei den zu zwei Verfügung stehenden Systemen wird die Energie entweder direkt über Elektroden an der Katheterspitze an die Venenwand abgegeben und diese dadurch auf 120°C (Venefit VNUS Closure Plus) bzw. zwischen 60°C und 100°C (RFITT Celon) in Folge der Energieübertragung erhitzt. Durch die Erhitzung der Venenwand kommt es erstens zu einer Endothelschädigung, und zweitens zu einem Schrumpfen der kollagenen Fasern in der Venenwand (Thermo-Okklusion) und dadurch zum Sofortverschluss der Vene.

Ein Katheter wird durch Punktion im Knöchelbereich bzw. ultraschallgesteuert am Unterschenkel oder mittels direk­ter Freilegung der Vene übereine Schleuse in der zu behan­delnden Vene (V. saphena magna (VSM), V. saphena parva (VSP)) platziert. Die Spitze des Katheters wird in einnem Abstand von ca. 1 cm von der sapheno-femoralen bzw sapheno-poplitealen Mündung positioniert. Am sapheno-fcmoralcn Übergang (SFÜ) sollte die V. cpigastrica superior durch die thermische Energie nicht verschlossen werden, um einen antegraden Einstrom in den sapheno-fcmoralen Mün- dungsbereich aufrecht zu erhalten und so einer Thrombus­bildung in diesem Bereich vorzubeugen. Wird die Kathe­terspitze zu nah an den Übergang in das tiefe Venensystem vorgeschoben, besteht die Gefahr, dass sich in diesem Be­reich ein Thrombus bildet, der auch in das tiefe Vcnensystem einwachsen kann. Besteht beiden Patienten eine insuf­fiziente V. accessoria posterior oder anterior, so muss diese in gleicher Sitzung ausgcschaltct werden, um einer erneu­ten Variköse über die Kollateralvene vorzubeugen. Dies kann mittels Exstirpation, Sklerotherapie, Endolaser oder Radiofrequenzobliteration erfolgen.

Das Verfahren sollte immer unter dem Schutz von Tumeszenzflüssigkeit bzw. von Tumeszenzanästhesie durch­geführt werden. Dabei soll die Tumeszenzflüssigkeit ultra­schallgezielt in die Faszienloge der Bogenvene ver­läuft, eingespritzt werden. Die Tumeszenzflüssigkeit hat zwei Effekte, zum einen ein Schutz vor Hitzeschäden im perivasalem Gewebe und der Haut, zum anderen wird eine Kompression der Vene be­wirkt und so ein möglichst guter Kontakt der Elektroden bzw. der Katheterspitze mit der Venenwand und damit ein möglichst perfekter Energieübergang erreicht. Die Appli­kation von Tumeszenzflüssigkeit kann mittels Rollerpum­pe oder Spritzen erfolgen. Vor der letzten Einspritzung von Tumeszenzflüssigkeit im Mündungsbereich sollte noch­mals die Lage der Katheterspitze mittels Ultraschall über­prüft werden.

Nach exakter Platzierung des Kathetersystems, der ultraschallgcsteuertcn Applikation von Tumeszcnzanäs- thcsic, wird der Katheter zurückgezogen (Venefit, VNUS Closurc Plus; RFITT Celon). Beim Rückzug ist auf die adäquate Temperatur, sowie auf den ausreichenden Wider­standzu achten, um die gewünsch­te thermische Schädigung der Venenwand und damit den Verschluss der Vene zu erreichen. Die segmentalc Radiofrequcnzobliteration der Vene führt zu einer deutlich

Indikationen (Anwendungsgebiete): symtomatische Stammvarikose und gerade verlaufende Seitenastvarizen

Vor der Operation

Zu Beginn sollte eine gründliche Anamnese erfolgen und der Patient sollte über den Operationsablauf und die Risiken aufgeklärt werden. Vor dem operativen Eingriff sollte der Patient für die Dauer von etwa vierzehn Tagen weder Acetylsalicylsäure (ASS) noch Schlafmittel oder Alkohol zu sich nehmen. Sowohl Acetylsalicylsäure als auch andere Schmerzmittel verzögern die Blutgerinnung und können zu unerwünschten Blutungen führen.
Raucher sollten ihren Nikotinkonsum bereits vier Wochen vor dem Eingriff stark einschränken, um die Wundheilung nicht zu gefährden.
Das Operationsverfahren

Zuerst wird am stehenden Patienten der Verlauf der zu behandelnden Stammvene (V. saphena magna oder V. saphena parva) mit einer Ultraschallsonde nachempfunden und markiert. Der Operateur sucht dann den distalen Insuffizienzpunkt auf (der beschädigte Abschnitt der am weitesten in Richtung Fuß liegt). An dieser Stelle wird über eine 3 mm große Inzision („Einschnitt“) die Vene punktiert und die Radiosonde eingeführt. Diese wird nun bis in die Leiste vorgeschoben und das Bein in Fußhochlagerung gebracht.

Unter Ultraschallkontrolle werden nun die Elektroden der Radiosonde auf ca. 85 °C erhitzt. Die Elektroden müssen in direktem Kontakt mit der Wand der Vene stehen damit der Venenverschluss erfolgreich ist. Die Sonde wird jetzt langsam zurückgezogen, während sich die Vene reißverschlussartig zusammenzieht.

Die VNUS-Closure® Radiowellentherapie bewirkt folgende Effekte:

Venenwanderhitzung mit Schädigung des Endothels – durch die Hitzeeinwirkung wird die oberste Zellschicht im Innern der Vene stark beschädigt
Denaturierung der Kollagenproteinmatrix – Proteine (Eiweiße) und Kollagene verlieren durch die Hitze ihre Struktur und werden so zerstört
Kollagenshrinking – die kollagenen Fasern ziehen sich zusammen
Venenokklusion – die Venenwand verdickt sich und fibrosiert (bindegewebiger Umbau bzw. Vernarbung des Gewebes)

Nach der Entfernung der Radiosonde wird im Verlauf des Gefäßes ein Kompressionsverband (Druckverband) angelegt. Der Eingriff findet entweder unter Lokalanästhesie, Tumeszenzanästhesie (Form der Lokalanästhesie bei der ein stark verdünntes Lokalanästhetikum in großer Menge in das Unterhautfettgewebe gespritzt wird bis ein Reservoir vorhanden ist) oder Allgemeinanästhesie statt.
Nach der Operation

Der Patient kann sich bereits 1-2 Stunden nach dem Eingriff wieder vorsichtig frei bewegen und schon am nächsten Tag leichte berufliche Tätigkeiten ausüben. Im weiteren Verlauf sollte der Patient für zwei bis drei Wochen Kompressionstrümpfe der Klasse II tragen.

Mögliche Komplikationen

Kleinen Operationsschnitte, die im Regelfall keine auffälligen Narben bilden; hier können ggf. bei Wundheilungsstörungen bzw. bei Veranlagung auch Keloide (wulstige Narben) und/oder Hautverfärbungen auftreten (selten)
Infektionen (selten)
Vorübergehende geringe Schwellungen, Spannungsgefühl und Druckgefühl in den Beinen tritt meist zwischen den dritten und fünften Tag auf. Dieses beruht auf der Schrumpfung der behandelten Venen mit den Radiowellen.
Parästhesien (Taubheitsgefühl) und/oder erhöhte Berührungsempfindlichkeit auf Grund von beschädigten Hautnerven durch Radiowellen.
Stärke Schmerzen, als Zeichen einer Durchblutungsstörung (hier ist eine umgehende Kontrolluntersuchung erforderlich)
Oberflächliche Hämatome (Blutergüsse) im Bereich der ehemaligen Krampfadern. Der Patient sollte deshalb postoperativ einen Kompressionsverband für ca. 2 Wochen tragen.
Wie nach jedem operativen Eingriff kann es zu einer Thrombose (Bildung eines Blutgerinnsels) kommen, mit der möglichen Folge einer Embolie (Verschluss eines Blutgefäßes) und damit einer Lungenembolie (Lebensgefahr) (selten)
Eine Thromboseprophylaxe führt zu einer Risikoreduktion.

Durch die Lagerung auf dem Operationstisch kann es zu Lagerungsschäden (z. B. Druckschäden an Weichteilen oder auch an Nerven, mit der Folge von Empfindungsstörungen kommen; in seltenen Fällen dadurch auch zu Lähmungen des betroffenen Gliedes).

Bei Überempfindlichkeit bzw. Allergien (z. B. Betäubungs-/Narkosemittel, Medikamente etc.) kann es vorübergehend zu folgenden Beschwerden kommen: Schwellung, Hautausschlag, Juckreiz, Niesen, tränende Augen, Schwindel oder Erbrechen.

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