Feigwarzen

Patienteninformation

Anale (genitale) Feigwarzen – Condylomata acuminata

 Definition

Genitale Feigwarzen) werden durch einen sexuell übertragbaren Virus namens Humanes Papilloma-Virus (HPV) verursacht. Genitale Feigwarzen können sowohl Männer wie auch Frauen befallen, jedoch sind diese bei Frauen deutlich häufiger als bei Männern.

 Ätiopathogenese

HPV befällt die oberste Hautschicht (Epithel) bzw. auch Schleimhäute. Es sind derzeit über 100 verschiedene Subtypen von HPV identifiziert, jeder Subtyp ist auf eine spezifische Körperoberfläche „spezialisiert“. HPV-Subtypen werden als Hoch- oder Niedrigrisiko-Subtypen klassifiziert. Die HPV-Viren, die genitale Warzen verursachen gehören meist zu den sog. Niedrig-Risikotypen (hauptsächlichstes HPV-Subtyp 6 und 11). In manchen Fällen bestehen sie aus „high-risk“ (onkogene) HPV-16-, -18-, -31-, -33- und -35-DNA und andere.

 Infektionsweg

HPV ist virus-indiziert und wird durch direkten Haut-zu-Haut bzw. Haut-zu-Schleimhaut-Kontakt übertragen, wie z.B. Geschlechtsverkehr, Oral- oder Analverkehr oder anderen Haut-zu-Haut-Kontakt mit dem äußeren Genitale. Die Manifestation von Kondylomen im analen Bereich wird durch prädisponierende Faktoren wie Feuchtigkeit (Fluor), Mazeration (Ekzem) oder Epi­thelläsionen (Kratzeffekte, Analverkehr) begünstigt. Risikofak­toren sind verminderte zelluläre Immunität, Nikotin, Koinfektion (Herpes-simplex-Viren, Chlamydien) und Sexualverhalten, Analverkehr, Promiskuität usw.

 Häufigkeit

Kondylome zählen zu den am weitesten verbreiteten sexuell erworbenen Krankheiten. Der Häufigkeitsgipfel der Erkrankung liegt zwischen dem 20. und 40. Lebens­jahr. Die Durchseuchung der sexuell aktiven Bevöl­kerung mit verschiedenen HPV-Typen ist hoch: 60% der Menschen tragen HPV-Antikörper in sich.

 Lokalisation

Kondylome finden sich peri- und intraanal, selten in­trarektal sowie an Vulva und Zervix, in der Vagina, an Penis, Skrotum und Urethra.

Symptome

Feigwarzen verursachen je nach Lokalisation Juckreiz, Nässen und geringe Blutungen, aber nur selten Schmer­zen. Sie können asymptomatisch sein. Die Condylome sind hautfarben oder rötlich, können weich und flach oder erhaben und hart sein, ungestört wachsen sie blumenkohlartig. Genitale Warzen entwickeln sich Wochen oder Jahre nach einer HPV-Infektion. Es ist unmöglich festzustellen, wie, wann und wo eine Infektion stattgefunden hat.

 Verlauf

Unbehandelt können die Feigwarzen unverändert persistieren, sich vergrößern oder vermehren. Spontanre­missionen werden in bis zu 30% beschrieben. Unter Immunsupression wachsen sie schneller und gehen mit einem erhöh­ten Rezidiv- und Entartungsrisiko einher.

 Komplikationen

Bei langem Bestehen der Kondylome, u.U. auch bei Erstmanifestation, entwickelt sich selten bösartig . Zur malignen Entartung der Kondylome bedarf es vermutlich Risiko­faktoren wie einer hohen Anzahl von Sexualpartnern, Nikotinabusus, chronischer Entzündung und Immun­suppression.

Diagnosecondylomen-200

Die meisten Patienten können aufgrund einer klinischen Untersuchung diagnostiziert werden. Bei flachen Kondylomen kann der Essig­säuretest hilfreich sein: Durch Betupfen mit verdünnter Essigsäure (5%ig, 5 min Einwirkzeit) lassen sich die be­troffenen Bezirke weiß anfärben. Falsch positive Weiß­färbungen sind auch bei anderen Dermatosen möglich wie z.B. beim Analekzem und bei der Psoriasis. Es ist jedoch immerzu empfehlen, auch eine Biopsie (Gewebsentnahme) einer Warze durchzuführen. In manchen Fällen schauen Vorstufen von bösartigen Erkrankungen (vulväre intraepitheliale Neoplasien) bzw. auch bösartige Erkrankungen im Bereich des äußeren Genitales (Vulvakarzinom) so wie genitale Warzen aus.

Differentialdiagnostik

Pigmentierte seborrhoische Warzen, Mollusca conta­giosa, Morbus Paget, vulgäre Warzen, die analen intra­epithelialen Neoplasien (AIN) und Marisken sind ggf. histologisch auszuschließen.

 Prophylaxe

Die Anwendung von Kondomen wird empfohlen auch wenn sie je nach Loka­lisation der Feigwarzen nur einen gewissen Schutz bietet. Die Rezidivprophy­laxe erfordert die Untersuchung des Sexualpartners und bei manifester Erkrankung auch die Mitbehandlung. Es sind zwei Vakzinen zur Prävention des HPV-induzierten Zervixkarzinoms auf dem Markt. Der tetravalente Impfstoff richtet sich nicht nur gegen die onkogene HPV-16- und -18-DNA, sondern auch gegen die HPV-6- und -11-DNA. Eine prophylaktische Impfung bei Mädchen sollte vor dem ersten Geschlechtsverkehr erfolgen. Derzeit ist nicht bekannt, wie lange die Schutzwirkung anhält. Eine the­rapeutische Wirkung auf Kondylome wurde nicht bewiesen.

 Therapie

Die Therapie hat die Morphologie, die Ausdehnung und die Lokalisation der Kondylome zu berücksichti­gen. Singuläre Feigwarzen können mit Lokaltherapeu­tika konservativ behandelt werden; ausgedehnte Kon­dylombeete und blumenkohlartige Tumoren sowie intrarektale und intraanale Kondylome sollten operativ destruktiv therapiert werden, da die topisch wirksamen Medikamente für die Therapie der Kondylome der Schleimhaut nicht zugelassen sind. In der Schwanger­schaft darf keine Behandlung mit Podophyllotoxin und einem bekannten Wirkstoff aus der Gruppe der Immunmodulatoren (Crème) erfolgen; ggf. können sie operativ beseitigt werden.

 Operative Therapie

Die operative Therapie umfasst die Abtragung (Exzision) ­und lokale Destruktionsverfahren: Abtragung mittels Schere, Elektrokoagulation, Laser- und Kryotherapie, Exzision mittels Skalpell. Aus eigener Erfahrung empfehlen wir die Kondylome mittels flüssigkeitsun­terstützter Koagulation, z.B. mit einer Kugelelektrode unter simultaner Wasserapplikation, oder mittels Laser zu zerstören. Nach operativer Therapie sind in den ersten 3 Monaten kurzfristige Kontrollen (z.B. alle 4 Wochen), später Kontrollen in größeren Abständen zu empfehlen.

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